RRR- Really Reliable Recall - der doppelte Rückruf

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RRR- Really Reliable Recall - der doppelte Rückruf

Beitragvon ttpaw am 6. Mär 2008, 17:15

RRR- Really Reliable Recall - der doppelte Rückruf

Dieser Rückruf unterscheidet sich vom allseits bekannten
Supersignal im Aufbau, den ich unten erläutere.
Beim Supersignal besteht leider die Gefahr, dass gerade
clickererfahrene Hunde, dieses als Monster-Clicker begreifen,-
und aus diesem Grund Verhalten verstärkt wird, was
man ganz und gar nicht will.
Beispiel Hund sichtet Wild, fängt an durchzustarten.
Supersignal ertönt, Hund kommt sogar.

Was passiert evtl. beim nächsten Besuch im Wald?
Hund ortet viel bewußter nach Wild,- weil er so
evtl. an seine Super-Belohnung kommen kann.

Wer es trotzdem einsetzen möchte,-
hier wird der Aufbau des Supersignals beschrieben:
http://www.ferdility.de/clicker/include ... 29683e7c20


RRR- Really Reliable Recall von Leslie Nelson I


hier nun eine weitere Möglichkeit den Hund aus jeder Situation abzurufen!

Dieser Rückruf unterscheidet sich durch den komplett anderen Aufbau!


Zwei Signale werden unabhängig voneinander über einen längeren Zeitraum (mehrere Wochen, besser Monate!!) etabliert.
Diese werden dann zu einem Rückruf zusammengeführt.

Der Unterschied dabei ist, dass beim RRR der Hund für das "Kommen und die Aufmerksamkeit" an sich bestätigt wird,
währenddessen beim Supersignal der Hund gar nicht weiß, warum er in den Genuß der Megabelohnung kommt.

Voraussetzung zum Training sind SL, clicker bzw. wenn man mit Wort-Makern arbeitet, ein positiver und ein negativer Maker.

Was man im Vorfeld schon seinem Hund nebenbei intensiv beibringen
sollte, ist der freiwillige Blickkontakt. Dies kleine Übung bereitet den Hund
darauf vor, dass es für ihn lohnend ist, seine Aufmerksamkeit auf seinen
Menschen zu richten.
Hintergrund isst logisch: wer die Aufmerksamkeit seines Hundes hat, ist
schon ein wenig mehr auf der Gewinnerseite.

Was man ebenfalls benötigt: Belohnungen. Je nach Hund und
Situation muß man ganz individuell entscheiden, ob man Leckerchen,
Spielzeug oder aber (aus meiner Erfahrung am
wirkungsvollsten) Umweltbelohnungen einsetzt.

Ein Hund, der gebannt einem Hasen hinterherlechzt und es schafft ein
Signal zu befolgen, der will keine Streicheleinheiten und kein Futter.
Beste Belohnung wäre Leine los!, ok, geht natürlich nicht.
Aber auch nicht schlecht wäre es dann ein Stück auf der Spur zu gehen, oder aber den Hund die Sache inspizieren zu lassen.

Man muss sich über die Belohnung Gedanken machen, ob der Hund
sie auch als Belohnung empfindet.
Ist ja nun nicht jedermanns Sache seinem Hund die Pferdeäpfel
zuzugstehen oder Nachbars Katze zu verfolgen.

Merke: Nicht jede von uns angedachte Belohnung ist gleichzeitig
eine Verstärkung!
- weil der Wert der Belohnung für den Hund zu gering ist
- weil der Hund die Belohnung nicht mit seinem Verhalten verknüpfen konnte


RRR- Really Reliable- Recall II

Das erste Signal ist das Aufmerksamkeitssignal:

Dies kann ein Spitzname sein oder ein Fantasiewort, was im Alltag nicht
vorkommt. Bedingung ist, dass man es laut rufen kann.
Ein Pfiff, z.B. Triller geht auch sehr gut.

Die Konditionierung läuft ganz einfach ab:

Signal - Reaktion - pos. Marker, bzw. click - und nun kommts:
60 sec. Hundeparty, Candlelightdinner, Geburtstagsfest!

Bedeutet, man zelebriert eine Superparty für den Hund, die er nicht erlebt
hat. 60 sek. hört sich nicht viel an, sind aber eine verdammt lange Zeit für
eine Belohnung. Soviel Aufmerksamkeit am Stück bekommen die Hunde
in der Form eingentlich nie.

Das ganze wird sooft wie möglich geübt. Anstrengend, aber das Ziel ist es
einen Reflex beim Hund zu etablieren, der die Aufmerksamkeit auf seinen
Menschen lenkt. Der Hund soll gar nicht mehr nachdenken,
wieso er sich da umdreht. Und: das funktioniert!!


Wenn keine Reaktion auf das Signal folgt sieht die Kette so aus:
Signal - keine Reaktion - negativer Marker - negative Konsequenz*

(* kleines time-out, Hund kurz nehmen und sich von ihm abwenden, keine
Belohnung, sich mit dem Hund von der Reizquelle/Ablenkung
wegbewegen)

Anschließend neuer Versuch. Bei 2 mißglückten Versuchen ändert man
die Trainingssituation, vergrößert den Abstand zur Ablenkung.


Das zweite Signal ist der Rückruf:

Dieser sollte ebenfalls gut zu rufen sein und einem Jodler oder dergleichen
ähneln. Ein Signal, mit dem man den Hund während des Kommens anfeuern kann.

Dieser Ruf wird ebenfalls über den gleichen Zeitraum trainiert. Immer,
wenn der Hund sich im schnellen Tempo auf seinen Menschen zubewegt,
soll dieses Kommen mit dem Ruf unterlegt werden. Der Hund soll auch
hier wieder automatisieren. Ertönt der Ruf, lauf ich auf meinen Menschen
zu.
Belohnt wird wieder gleichermaßen mit Dingen, die für den Hund in dem
Moment wichtig sind. Hat man eine Sportskanone, kann z.B. ein
Wettrennen die richtige Bestätigung sein. Für einen Nimmersatt ist es ein
1minütiges Candlelightdinner.

Wichtig ist:

-jedes Signal wird nur einmal gegeben. Kommt die Reaktion oder zu spät,
kommt der negative Marker und die anschließende Konsequenz ( meist
Entzug von der Bezugsperson)

-es wird an der SL geübt um selbstbelohnendes Verhalten zu verhindern

-Ablenkungen werden langsam aufgebaut

Hat man beide Signale sicher etabliert, werden sie "vermählt".

Sinnvoll ist es, den Hund von einer Person festhalten zu lassen. Reagiert
er auf Signal 1, wird er losgelassen. Kommt er auf uns zu, kommt Signal
2, der Hund wird angefeuert auf uns zuzukommen.
Auch hier gilt wieder: Minimum 30 sek Megabelohnung.

Bei mehreren Fehlversuchen, sollte man die Signale wieder trennen
und ein paar Schritte im Training zurück gehen.

Der Unterschied der Signale besteht darin, dass der Hund beim
Supersignal NICHTS tun braucht, um die Belohnung
zu erhalten. Es ist praktische ein Lock-Pfiff. Deswegen kann es sein,
dass er auszuprobieren versucht, weshalb dieser tolle Pfiff ertönt
und wie er ihn provozieren kann.

Beim RRR hingegen, wird a) die Aufmerksamkeit und
b) die Handlung des Zurückkkommens hornoriert und belohnt.

Wer es versuchen möchte, dem wünsch ich viel Spaß
beim Trainieren.

LG

Andy

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